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  • 27.10.2020
Mops-Misere ruft Minister auf den Plan
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27.10.2020

Mops-Misere ruft Minister auf den Plan

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Die westfälische Stadt Ahlen gerät wegen der Pfändung eines Mopses unter massiven Druck. Das nordrhein-westfälische Innenministerium hat jetzt klargestellt, dass die Versteigerung der Mops-Hündin Edda nicht regelkonform gewesen sei. "Um Geldforderungen einzutreiben, können zwar auch Tiere gepfändet werden, Haustiere jedoch grundsätzlich nicht." Nur in Ausnahmefällen könnte ein Vollstreckungsgericht auf Antrag des Vollstreckungsgläubigers eine Pfändung des Haustieres zulassen.

Auch die Art des Verkaufs verstößt gegen die Vorschriften: Der Hund hätte nicht auf einem privaten Ebay-Account angeboten werden dürfen, erläuterte das nordrheinwestfälische Innenministerium weiter: "Gepfändete Sachen sind auf schriftliche Anordnung der kommunalen Vollstreckungsbehörde öffentlich zu versteigern", sagte die Sprecherin. Dafür gebe es bestimmte Formalien wie Fristen, öffentliche Bekanntmachung und Mindestgebote. Das Anbieten eines gepfändeten Tieres auf einem privaten Ebay-Account erfülle diese Voraussetzungen nicht.

Mops "Edda" war gepfändet worden, weil die betroffene Familie nach Angaben der Stadt bei der Kommune hohe Schulden hat. Ein städtischer Mitarbeiter hatte den Hund dann über seinen privaten Ebay-Account verkauft und diesen als gesund und "mit Stammbaum" für 750 Euro angepriesen. Das Thema sorgt seit Tagen - auch international - für Schlagzeilen. Sogar die "New York Times" und der britische "Guardian" berichteten über "Edda the pug".
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Anwalt: Pfändung war "legales Mittel"
Die neue Besitzerin von Mopshündin Edda, die inzwischen "Wilma" heißen soll, ist mit dem Geschäft ebenfalls nicht zufrieden. Die Käuferin aus Wülfrath bei Wuppertal will die Stadt nun verklagen, weil sie sich arglistig getäuscht sieht. Mehrere Zeitungen berichteten, der Hund habe wegen einer Augenverletzung zahlreiche teure Operationen benötigt. Nach einem Bericht der "Rheinischen Post" hat die Frau nun eine Regress-Klage gegen die Stadt angestrengt.

Die Stadt Ahlen besitzt inzwischen ebenfalls einen Rechtsbeistand. Kämmerer Dirk Schlebes (parteilos) erklärte, man habe "etwas weniger" als die auf Ebay angegebenen 750 Euro Verhandlungsbasis erlöst. Der Betrag sei in die Stadtkasse geflossen. Die Pfändung des Hundes sei ein "legales Mittel" gewesen. Dennoch habe die Stadt eine Versicherung und einen Anwalt eingeschaltet. Geprüft werde etwa, ob das Tier zum Zeitpunkt des Verkaufs krank war, ob Regressansprüche bestehen und ob der Hund kostengünstiger hätte behandelt werden können. "Natürlich wollen wir nach Recht und Gesetz handeln."
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Der Deutsche Tierschutzbund rügte das Vorgehen der Stadt auch jenseits der juristischen Fragen. "Das Tier, seine Bedürfnisse und sein Wohlergehen wurden hier vollkommen außen vor gelassen", sagte Tierschutzbund-Sprecherin Lea Schmitz. Der Verkauf über Ebay-Kleinanzeigen setze "dem Ganzen regelrecht die Krone auf". Der Handel mit Tieren über Internet-Plattformen sei abzulehnen, da man Lebewesen damit zu Waren degradiere.
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