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  • 25.10.2020
US-Strafzölle auf deutsche Autos "verschmerzbar"
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25.10.2020

US-Strafzölle auf deutsche Autos "verschmerzbar"

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Wie wichtig ist der US-Markt für Deutschland?
Laut Zahlen des Verbands der Automobilindustrie (VDA) haben die deutschen Autokonzerne vergangenes Jahr rund 1,34 Millionen Autos in den USA verkauft. Davon sind rund 470.000 in Deutschland gebaut worden. Das entspricht einem Gesamtwert von gut 25,5 Milliarden Euro, rechnet das Statistische Bundesamt vor. Damit sind die USA für Deutschland das wichtigste Exportziel - knapp vor China.

Die EU als Ganzes exportierte 2017 laut Zahlen des europäischen Branchenverbands Acea rund 1,15 Millionen Autos mit einem Gesamtwert von 37,4 Milliarden Euro in die USA – das ist für die europäischen Hersteller ebenfalls der Spitzenplatz.
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Welche Szenarien für Strafzölle sind vorstellbar?
Angesichts des gerade erst verhandelten Freihandelsabkommens mit Mexiko und Kanada ist es unwahrscheinlich, dass der US-Präsident Autos oder Autoteile aus diesen beiden Nachbarländern mit Strafzöllen belegt. Dort produzieren viele US-Hersteller wie Ford, Chrysler und General Motors (GM), aber auch Volkswagen, BMW und Mercedes.

Haben die Premium-Modelle viel zu befürchten?
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Falls Trump nur Fahrzeugimporte aus Europa mit Strafzöllen belegt, könnten die Folgen für die deutschen Autobauer verschmerzbar sein - selbst bei einem Preisaufschlag zwischen 15 und 25 Prozent. So handelt es sich bei vielen der exportierten Autos laut Analysten der ING Bank um Premiumkarossen, die "normalerweise einen unterdurchschnittlichen Nachfrageverlust erleiden, wenn die Preise steigen". Deshalb könnten die Hersteller zumindest einen Teil der Strafzölle einfach an die US-Verbraucher weitergeben.

Wie sieht es in der mittleren Preisklasse aus?
Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht auch für die billigeren Autos kaum Gefahren. So könnten die Hersteller ihre Produktion von Automodellen der mittleren Preisklasse in den USA hochfahren. Autos der unteren Preisklassen würden schon jetzt in Mexiko gebaut.
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Während die Gesamteffekte für die europäische Autoindustrie Dudenhöffers Ansicht nach also gering sind, könnte es einzelne Marken schon härter treffen. So haben die Volkswagen-Töchter Porsche und Audi beispielsweise keine Fabriken in Nordamerika. Auch Jaguar, Land Rover und Volvo bauen keine Autos in den USA.

Was macht die Strafzölle so gefährlich?
Die ING-Analysten warnen davor, dass sich die Situation durch Gegenmaßnahmen der EU immer weiter aufheizen könnte. Insbesondere falls Trump auch noch China in die neuen Strafzölle einbezieht, könnte es für die Autobauer ziemlich hässlich werden. Denn dann müssten deutsche Hersteller auf einmal auf ihre rund 750.000 in den USA gefertigten Autos Strafzölle bezahlen - mehr als die Hälfte davon wird nämlich aus den USA in Drittländer exportiert.
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Weitere Strafzölle wären laut den Analysten der Schweizer Privatbank Pictet für die gesamte Wirtschaft eine Hiobsbotschaft, weil sie die Zuversicht von Verbrauchern und Unternehmen in die Konjunktur angreifen - und das zu einem Zeitpunkt, da Deutschland erst knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt ist.

Der Bericht des US-Handelsministeriums ist noch nicht öffentlich. Wann genau die Einschätzung des Ministeriums offiziell verkündet wird, ist offen. Vertritt das Ressort tatsächlich die Sicht, dass europäische Autos und Autoteile die nationale Sicherheit gefährden, könnte Trump binnen 90 Tagen entscheiden, ob er Sonderzölle erheben will.
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